Weiß, grau, Oder schwarz: Eine Einführung in die Farbenwelt der ICD


In seiner frühen Studie über die Wirkung der Informationskontrolle auf deutsche Schriftsteller und Verleger, stellt Edward Breitenkamp fest, dass die ICD verschiedene Listen verwendet, um die Eignung einer Person zu bestimmen, eine Rolle in der kulturellen Maschinerie im Nachkriegsdeutschland einzunehmen. Allerdings schien die Existenz dieser Listen kontrovers zu sein. Breitenkamp stellt fest, dass diese Listen nicht zur allgemeinen Verbreitung gedacht waren, obwohl die vier Besatzungsmächte Listen auf einer mehr oder weniger regelmäßigen Basis ausgetauscht haben. Die engste Beziehung in diesem Zusammenhang war die zwischen den Amerikanern und den Briten, die eifrig die Liste der unerlaubten Personen des Anderen annahmen. Diesem Punkt scheint jedoch in „History II", widersprochen zu werden, wo es heißt, dass „[t]he Information Control Division furnished black lists to the other three powers, but received no information in return".  [1]In diesem speziellen Fall ist es sehr wahrscheinlich ein Fehler seitens des Erstellers von „History II", da diese Listen in den Sitzungsprotokollen der Viermächte Information Services erwähnt werden, und britische Listen in den amerikanischen Archivbeständen zu finden sind. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen die Amerikaner wenigstens Schwarze Liste der Briten erhalten haben. Ein Beweis dafür, dass dies der Fall ist, ist ohne weiteres in den ICD Akten verfügbar. [2] ] Jedoch kann dies bei den Russen und Franzosen, in der Tat, der Fall gewesen sein.

Die ICD ging die Aufgabe der Katalogisierung und Klassifizierung von Künstlern, Verlegern und Filmemachern, um nur ein paar der Kategorien zu nennen, mit Gründlichkeit an. Beweise für ihre Akribie können in der "White, Grey, and Black List for Information Control Purposes" vom 1. November 1946 gefunden werden, die eine Ergänzung zur  ersten Liste vom 1. August 1946 war. [3] Die Klassifizierungskriterien wurden zunächst am 21. Dezember 1945 von Robert C. Martindale aufgestellt, der amtierender Leiter der Nachrichtenabteilung der ICD und ein der Militärregierung dienender Zivilist war. Die neuen Kriterien lösten die am 1. Dezember 1945 eingeführten Kriterien ab, die wiederum eine Richtlinie, welche am 1. Oktober 1945 verkündet worden war, ersetzt hatten. Es scheint, dass es eine extrem wandelnde Lage dahingehend gab, wer zugelassen wurde. Es scheint jedoch, dass diese Leitlinien die endgültige, maßgebliche Iteration war.

Dies bedeutet nicht, dass es nicht einen bestimmten Grad an "Schummelei" in der Erstellung dieser Listen gegeben hat. „History II" deutet an, dass "[t]he task of denazification was complicated by the pressure on the Intelligence Branch to lower standards so that German Information services could be turned over to the Germans". [4] Ein weiterer Beweis dafür, lässt sich in der Anstellung von Deutschen für den Betrieb von Radiodiensten in der amerikanischen Kontrollzone finden. Es wurden Vorwürfe erhoben, dass die Amerikaner diejenigen für die Anstellung in führenden Positionen in den deutschen Radio-Medien bevorzugten, die eine rechte Neigung hatten, mit der Implikation, dass sie Nazi-Sympathisanten seinen. [5]In mancher Hinsicht war dies ein Ablenkungsmanöver von Anhängern der SPD, um sich selbst in entscheidenden Medienpositionen zu etablieren, die dabei helfen sollten Deutschlands zukünftige politische Richtung zu bilden.

Bis November 1946 gab es noch immer einige ICD Bezirksämter, die mit den älteren Standards arbeiteten. Dies ist aus der expliziten Art und Weise, in der die Umstellung vom älteren sechs Kategorien-System zu vermerken war, ersichtlich.  Die ICD hatte die Anzahl der möglichen Klassifizierungen von sechs auf fünf gekürzt. Statt einer Klassifizierung nach A, B, C, D, E oder F, wurden Bewerber als entweder „White“, „Grey“ oder „Black“, mit weiteren Unterteilungen für „White“ und „Grey“, eingestuft.

Jene, die als „White" klassifiziert wurden, wurden in A und B einsortiert. Diejenigen in dieser Kategorie mussten eine tadellose Akte haben, um eine Lizenz für die Bereiche Presse, Verlag, große schauspielerische oder musikalische Unternehmungen zu rechtfertigen. Sie wurden als für Führungspositionen geeignet angesehen. Der Einzelne musste befunden werden weder ein Kollaborateur der Nazis, noch ein Nutznießer des Nationalsozialismus gewesen zu sein. Darüber hinaus, stand ein Mitglied bei einer der folgenden Organisationen gewesen zu sein einer White-A Kennzeichnung nicht entgegen:

Potenzielle "White A" Organisationen

Reichsbund der deutschen Beamten

NS Rechtswahrerbund

NSV

KDF

Reichsrundfunkkammer

NSKOV

Reichspresskammer

Deutsche Studentenschaft

DAF

Reichsschriftumskammer

Reichskammer der bildenden Künste

Reichstheaterkammer

Deutsche Jaegerschaft

Reichsfilmkammer

Reichsluftschutzbund

Reichsmusikkammer

Reichsbund deutscher Familie

Deutsches Rotes Kreuz

NS Reichsbund für Leibesübungen

Reichsarbeitsdienst (wenn obligatorisch; falls beruflich, dann "Grey C" nicht akzeptabel)

NS Bund deutscher Technik

Deutsches Frauenwerk

NS Lehrerbund

Reichsdozentenschaft

Jedoch deutete eine Rang in diesen Organisationen eine Parteimitgliedschaft an und ließ nur eine Einstufung von "Grey" akzeptabel oder niedriger zu.

Jene in der Kategorie "White-B" waren für die Zulassung oder Beschäftigung in führenden Positionen in allen Medien, außer in den Bereichen Presse, Publikationen oder Filmproduktion, geeignet. Diese erste Differenzierung zeigt, welche der Bereiche die ICD als sensibelste Bereiche kultureller Aktivitäten in Bezug auf die Bildung der zukünftigen öffentlichen Meinung erachten sollte. Diese Klassifizierung gab an, dass der Bewerber kein Mitglied der NSDAP oder Zweigorganisationen gewesen ist, mit Ausnahme der oben genannten Organisationen und den folgenden zusätzlichen Organisationen:

HJ and BdM

Deutsche Akademie München (vor 1934; nach 1934, "Grau C" akzeptabel)

Rank in KDF

Deutsches Auslandsinstitute  (vor 1934; nach 1934; "Grau C" akzeptabel)

Deutsche Glaubensbewegung (Hinweis: Mitgliedschaft in einer wesentlichen Unterorganisation: "Grey C" akzeptabel oder besser)

Deutscher Fichte-Bund (vor 1934; nach 1934, "Grey C" akzeptabel)

NS Altherrnbund

Ibero-Amerikanisches Institute (vor 1934; nach 1934, "Grey C" akzeptabel)

Deutsche Christen-Bewegung

NS Frauenschaft (vor 1936; nach 1936, "Grey C" akzeptabel)

Reichskolonialbund

Amerika-Institut (vor 1934; nach 1934, "Grey C" akzeptabel)

VDA(wenn im Ausland vor 1939, "Grey C" nicht akzeptabel. Falls ein Rang gehalten wurde, dann war die Klassifizierung "Grey" akzeptabel oder niedriger)

Ost-Europa Institut (vor 1934; nach 1934, "Grey C" akzeptabel)

Ebenso hätte der Kandidat auch Hinweise vorlegen können, dass es keine Kollaboration mit den Nazis oder Vorteile im Nationalsozialismus gab. Darüber hinaus wurden sie auch als geeignet für probeweise White-A-Klassifizierung angesehen.

Die zweite Klassifizierung war "Grey", die ebenfalls in zwei Untergruppen aufgeteilt wurde. Wer als "Grey Acceptable" galt, war geeignet für eine Anstellung, allerdings nicht in einer politischen Entscheidungsposition oder in einer leitenden, kreativen oder Personal-bezogen Kapazität. Sie waren nicht wirklich für die Lizenz geeignet und sollten von "Weißen" bei der ersten Gelegenheit ersetzt werden. Sie waren NSDAP-Parteimitglieder oder Mitglieder einer der folgenden Organisationen:

Parteimitglied oder Mitglied einer der beiden oben genannten Listen oder den folgenden:

NSDFB

Deutsche Akademie München (nach 1934)

Deutsche Frauenschaft (nach 1936)

Deutsches Auslandsinstitute (nach 1934)

Ibero-Amerikanisches Institute(nach 1934)

Deutscher Fichte-Bund (nach 1934)

Amerika-Institut (nach 1934)

NS Reichskriegerbund

Ost-Europa Institut (nach 1934)

Kyffhäuserbund

Wenn sie einen Rang in einer dieser Organisationen inne hatten, erhielten sie die Kennzeichnung "Grey Unacceptable". Ist der Bewerber ein Mitglied einer der folgenden Organisationen gewesen, musste er die Umstände, wie er Mitglied geworden war, erklären:

NSDAP

NSFK

Opferring

Deutscher Gemeindetag (Mitgliedschaft impliziert NSDAP-Mitgliedschaft)

NSDStB

Institut für deutsche Ostarbeit

NSKK

Alldeutscher Verband

Ein Rang in einer der oben genannten Organisationen rechtfertigte eine „Black"-Klassifizierung. Es könnte auch kein Beweis von Nazi- oder nationalistischen Überzeugungen vorliegen. Dies ist, wo die kleinen, parteilosen, Opportunisten eingestuft wurden.

Wer als "Grey Unacceptable" angesehen wurde, war nicht geeignet für andere Beschäftigung als in gewöhnlicher Arbeit, wie sie im Military Government Law No. 8 definiert ist. Diejenigen, welche zu den folgenden Organisationen gehörten, fanden sich automatisch in dieser Kategorie wieder:

Reichsarbeitsdienst (beruflich)

NS Reichsbund deutscher Schwestern

VDA (wenn im Ausland vor 1939)

NS Ärztebund

Eine endgültige Klassifizierung war „Black". Diese Personen wurden einfach als für jede Beschäftigung in jeglichen Informationskontrollmedien als ungeeignet befunden. Mitglieder der folgenden Organisationen wurden automatisch als „Black" eingestuft:

Waffen-SS (es sei denn, nach 1943 eingezogen)

SA

NSDoB

Kameradschaft USA

Staatsakademiefür Rassen- und Gesundheitspflege

Werberat der deutschen Wirtschaft

Weltdienst

Reichsring für Propaganda

Verband Zwischenstaatlicherverbände

Allgemeine SS

Sicherheitsdienst der SS

Institut zur Erforschung der Judenfrage

Die Person durfte auch kein Amt oder Rang in der Nazi-Partei, ihren Unterorganisationen, Organisationen zur Förderung des Militarismus gehalten haben. Außerdem disqualifizierten die folgenden Bedingungen ein Individuum von Tätigkeiten, die durch die ICD geregelt wurden:

Ein Offizier der Wehrmacht, es sei denn, es wird eine besondere Ausnahme durch die Information Control gemacht

Ein Offizier oder Unteroffizier der Waffen-SS

Ein deutlich Begünstigter unter den Nazis

Ein Beteiligter an Nazi-Verbrechen, Verfolgung oder rassistischer Diskriminierung

Einer, den Beweise als Gläubiger der Nazis, rassistischer oder militaristischer Überzeugung ausweisen

Einer, der der NSDAP, ihren Beamten oder Führungskräften freiwillig erhebliche moralische oder materielle Unterstützung gab

Obwohl es zeitweise einige Verwirrung in der Vorgehensweise gegeben haben mag, hatte die Diskussion, wo ein Einzelner kategorisiert werden könnte, bereits lange vor dem Ende des Krieges in Europa begonnen. Am 11. Februar 1945 veröffentlichte Alfred Toombs, Head of Intelligence für die ICD,  ein Dokument im Zusammenhang mit der Behandlung von NSDAP-Mitgliedern und ihrer Eignung für ihre Einbindung in der Kulturindustrie im Nachkriegsdeutschland. [6] Es gab den Vorschlag, den 1. Mai 1937 als Stichtag anzusehen. Das heißt, diejenigen, die der Partei nach diesem Datum beigetreten waren, wurden disqualifiziert eine Publikationslizenz zu haben. Allerdings sah er keinen Platz für Mitglieder der NSDAP in den neuen deutschen Medien. In der Tat schaffte er es sicherzustellen, wie Eva-Juliane Welsch anmerkt, dass nur diejenigen, die sich aktiv den Nationalsozialisten in Deutschland widersetzten, das Privileg eine Lizenz als Herausgeber zu erhalten, gewährt bekamen.[7] Toombs war immer wachsam in der Sicherstellung, dass strenge Kontrolle über die Herausgeber ausgeübt wurde und war immer besorgt, dass sie außer Kontrolle geraten, wie in der Richtlinie, die er im Mai 1946 verteilte.[8]

Die "White, Grey, and Black List for Information Control Purposes" ergänzende Inventarliste vom 1. November 1946, hatte insgesamt 2.529 Einträge aller Einstufungen. Weder die Alten noch die Jungen konnten einer Einstufung durch die ICD entkommen. Der Älteste, der auf der Liste erscheint, ist ein 86-jähriger Buchhändler aus Immenstadt mit Namen Max Wengenmayr, der "Grey Unacceptable" war. Der jüngste auf der Liste ist Alfred Gruber, ein Musikant, der im Alter von 11 Jahren als "White-B" eingestuft wurde. Gruber war keineswegs eine Besonderheit. Der jüngste Bewerber, der als "Black" eingestuft wurde, war Johannes Bollmann aus Nürnberg, der bei einer Zeitung gearbeitet hat.

Die Statistiken der ICD „White, Grey, Black List" zeigen einige interessante Trends. 1919 wurde als Referenzjahr für die Besatzungspolitik der Alliierten erklärt. Es lieferte den Stichtag in Bezug auf diejenigen, die sie als möglicherweise schuldhaft für Deutschland's Verbrechen erachten würden. Alter schloss Einzelne jedoch nicht vom ICD-Prüfungsprozess aus. Zusätzlich zu den bereits oben genannten Fällen, sind 186 der Personen, die auf der Liste stehen, unter 21 Jahre alt. Niemand im Alter von 18 Jahren oder jünger wurde „Black" eingestuft. Vier Personen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren wurden als „Black" gekennzeichnet. Die meisten unter 21-jährigen erhielten eine „White-B" oder „Grey-A"-Einstufung. Mit dem Alter von 18 Jahren, begann das Verbot von Personen in Deutschlands Kultur-Maschinerie. Zum Beispiel wurde Valentin Salzberger aus Pfaffenberg, ein Musiker (es nicht angegeben, ob Pfaffenberg in Baden-Württemberg oder Bayern gemeint ist), wurde mit 18 Jahren als ausreichende Bedrohung angesehen, um als „Black" eingestuft zu werden. Es gibt keinen Hinweis darauf, was er getan haben könnte, um diese Einstufung zu rechtfertigen. Es könnte nichts weiter gewesen sein, als dass man auf dem Fragebogen gelogen hatte,[9] ] was als ernsthafter Verstoß angehen wurde.

Die größte Zahl der Bewerber fiel in die „Black"-Klassifizierung (30,5%) und nur 8% der Bewerber wurde eine Klassifizierung „White-A" gegeben, die die größte Freiheit erlaubte und das größte Vertrauen seitens der ICD bedurfte. „White-B" war die zweitgrösste Klassifizierung (30,1%) die es ihnen erlaubte die meisten Dinge in ihrem Beruf zu tun; allerdings waren sie nicht erlaubt, politische Entscheidungen zu treffen. „Grey-A" (19,6%) und „Grey-U" (11,7%) vertreten 31,3% der Bewerber.

Die größte Einzelgruppe auf der Liste von 7797 Namen ist die der Musiker. Sie verzerren die Statistik wesentlich. Von den 3.146 Musikern (40,3% der Gesamtliste) wurden nur 2,1% eine „White A" Kennzeichnung gewährt. Der Gesamtdurchschnitt beträgt 8,0%, wobei die große Gruppe der Musiker die Zahl künstlich niedrig hält. Aus dem gleichen Grund finden sich, mit nur 12,0% als „Black" eingestuften, nur sehr wenige Musiker am anderen Ende des Spektrums wieder. Hier beträgt die Gesamtzahl 30,5%. Was dies bedeutet ist, dass es für Musiker relativ einfach war die Musterung zu bestehen, um Musiker zu sein, aber sie waren nicht unbedingt eine Priorität, wenn es darum ging ihnen Führungspositionen zuzuweisen. Dies könnte eine Folge des Berufs selbst sein. Herausgeber von Büchern und Zeitungen waren durch die Natur ihres Berufes kulturelle Entscheidungsträger.

Von größerem Interesse sind diese kulturell sensiblen Berufe. Im Fall von Schriftstellern (14,2% von 590) und Redakteuren (18,5% von 373), fällt ihr Verhältnis von „White-A"-Kennzeichnungen in die Norm, wenn man die Musiker ausklammert. Sie haben auch normale Kennzeichnungsverhältnisse in den anderen Klassifizierungen. Andererseits gibt es eine Gruppe, die hervor sticht. Verleger (32,2% von 755) haben ein Verhältnis von „White-A" Kennzeichnungen, das alle anderen übertrifft. Dies deutet an, dass die ICD entweder mit dieser Gruppe etwas nachsichtiger wurde in dem Bemühen ein Verlagswesen einzuführen, dass jetzt gebildet wurde, um mit dem des sowjetischen Sektors zu konkurrieren, oder es gab etwas im Prozess selbst, das zu einer hohen Zahl akzeptierter Bewerber führte. Obwohl Ersteres einen Teil der Wahrheit ausmacht, ist es wahrscheinlich Letzteres was zu diesem Ergebnis führte. Der Überprüfungsprozess für Verleger, wie er später im Detail beschrieben wird, war ganz anders und anstrengender als für jede andere Gruppe. Das an sich wird zu einiger Selbst-Ausscheidung oder -Auswahl geführt haben.

Blacklisten oder Listen der verbotenen Personen waren eine verbreitete Erscheinung in allen Kontrollzonen und folgten keinem festen Muster in Bezug darauf, wie Informationen präsentiert wurden. Die "White, Grey, and Black List for Information Control Purposes" vom 1. November 1946 ist die umfangreichste in Bezug auf die zur Verfügung gestellten Informationen. Sie gibt das Jahr und den Ort der Geburt, sowie die aktuelle Adresse und Beruf der Bewerber an. Andere Listen, die zwar nicht so gründlich in Bezug auf die Lokalisierung und Identifizierung der Bewerber waren, gaben manchmal Gründe an, warum eine Lizenz abgelehnt wurde, sowie die Organisationen oder Personen, zu denen der Bewerber in irgendeiner Beziehung stand. Trotz Andeutung von einigen ICD Offizieren, wurden die aktuellen Listen in den verschiedenen Sektoren regelmäßig ausgetauscht, mit dem Verständnis, dass Listen, die in einem Sektor erstellt wurden, in allen Sektoren honoriert würden. Dies mag jedoch eher von theoretischer Natur gewesen sein, als tatsächlicher Praxis. Das soll heißen, die Listen mögen offiziell ausgetauscht worden sein, sind aber vielleicht nicht an DISCC Ebene weitergegeben oder vollstreckt worden, sobald diese dort ankamen. In jedem Fall scheint es immer noch Fälle von Personen gegeben zu haben, die in einem Sektor auf die Schwarze Liste gesetzt wurden, und nach Umzug in einen anderen Sektor in der Lage waren, ohne Schwierigkeiten zu arbeiten. [10]

Während die von den Sowjets stammenden Listen wenig Einfluss auf die schwarzen Listen in den westlichen Sektoren zu haben schienen, und die Franzosen wenig Interesse an kulturellen Fragen zeigten, gab es erhebliche Zusammenarbeit zwischen den Briten und den Amerikanern. Diese lässt sich aus der Zahl der britischen Listen erkennen, die in den amerikanischen Archivakten auftauchen und umgekehrt. [11] 

Das blacklisten von Verlegern ging weiter als nur derjeniger, die in Deutschland waren. Die "Sicherheitsüberprüfung" umfasste auch schwedischen und Schweizer Verleger, auch wenn die Behörden nicht in der Lage waren, ihre Prozesse auf diese Personen und Einrichtungen durchzusetzen. Ein PWD (Psychological Warfare Division) Dokument vom Februar 1945, das als Vorbereitung für die Nachkriegskontrollverfahren im besetzten Deutschland gedacht war, gibt einen Einblick darin, wie weit die Amerikaner bereit waren zu gehen. [12] Sie nutzten die Mitglieder-Liste des "Börsenverein der deutschen Buchhändler zu Leipzig" von 1941 als Grundlage für ihre Liste von Verlegern, die untersucht werden sollten. Verlage wie Braus-Riggenbach (früher Henning Oppermann) wurden auf die schwarze Liste gesetzt, obwohl sie sich in der Schweiz befanden. Braus-Riggenbach wurde vorgeworfen "streng pro-Nazi" zu sein, wobei der Eigentümer in enger Verbindung mit dem ehemaligen Redakteur der Schweizer Nazi Zeitung "Neue Basler Zeitung" stand. Es wurde festgestellt, dass ein weiterer Verlag, Francke AG in Bern, „dispatched German propaganda periodicals to the United States" und wurde damit auch auf die schwarze Liste gesetzt. Einige der Firmen hatten Vereinbarungen mit der PWD getroffen, wie z.B. Hug & Co. in Winterthur und Zürich. Die Eigentümer, Adolf Hug Senior und Junior, unterzeichneten eine Vereinbarung mit den Alliierten "submitting to Allied control of their exports and neutral imports".

Während die ICD die Produktion der Bücher, die im Nachkriegsdeutschland produziert wurden, zensieren konnte, musste sie ebenso ein wachsames Auge auf Material halten, das den Krieg überlebt hatte. In dem Bemühen, den Handel mit den überlebenden Buchbeständen zu kontrollieren, las und überprüfte die ICD regelmäßig die Kommunikation zwischen Verlagen und ihren Händlern. Ein Beispiel hierfür ist eine abgefangene Rechnung der C.H.Beck'sche Verlagsbuchhandlung, gesendet an Das Bücherkabinett auf der Königstraße 14/16 in Hamburg. Das Zensurformular zeigt, dass die Rechnung am 7. November 1945 gesendet und am  8. November abgestempelt wurde. Das abgefangene Dokument wurde am 17. November untersucht und es wurde festgestellt, dass es Abrechnungen für vier Werke von Walter Flex enthielt: [13] Demetrius[14], Frauenrevoire[15], Wallenstein[16], und einen letzten Artikel, der einfach Romane benannt war. Der Zensor stellt ferner fest, dass „according to the second edition of the Neue Zeitung books by Walter Flex have been banned". [17]Leider geben die Unterlagen nicht an, was das Ergebnis der Untersuchungen war. Wahrscheinlich ist es am Ende das Gleiche wie das des Klostermann Verlags, der für schuldig befunden wurde, Werke von Ernst Jünger produziert zu haben, einem Autor, der verboten wurde, und ihm wurde in der Folge die Lizenz zu veröffentlichen entzogen. [18] Darüber hinaus wurde eine Warnung an die Verlagen verschickt über die Gefahren der Ausgabe von Material, das die ICD nicht freigegeben hatte.

Es gibt hier ein paar Dinge, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Erstens, die akribische Art in der die ICD das Verlagswesen überwachte. Ein zweiter Punkt ist, dass die ICD jede Möglichkeit abdeckte, im Versuch sicherzustellen, dass das deutsche Verlagswesen sich an ihre Liste verbotener Autoren hielt. Ein letzter Punkt ist, dass die offene Zeitung "Neue Zeitung" dazu verwendet wurde, dem deutschen Verlagswesen sowie der normalen Bevölkerung zu unterbreiten, welche spezifischen Autoren im Nachkriegsdeutschland verboten waren. Es war, letzten Endes, das Mandat der "Neue Zeitung", die Wünsche der Militärregierung an das deutsche Volk zu kommunizieren.


[1] History II, 27.

[2] RG 260 5/268-2/17 Bundesarchiv Koblenz.

[3] NARA RG 260 390/42/16/5-6 Box 69

[4] History II, 27.

[5] Die Amerikaner waren nicht die Einzigen, die durch solche Anschuldigungen zu leiden hatten. Die Briten erfuhren ähnliche Schwierigkeiten mit dem NDR in Hamburg.

[6] RG 260 OMGUS 5/268-2/7 Bundesarchiv Koblenz.

[7] Eva-Juliane Welsch, „Die hessischen Lizenzträger und ihre Zeitungen,” Dissertation Universität Dortmund, 2002, Seite 35.

[8] RG 260 5/269-2/8 Bundesarchiv Koblenz

[9] Für weitere Informationen siehe Abschnitt mit der Überschrift Fragebogen

[10] History II 66-67.

[11] ] Ein Beispiel vom 15. Oktober 1947 kann in RG 260 OMGUS 5/268-2/17 Bundesarchiv Koblenz gefunden werden.

[12] RG 260 5/265-3/12 Bundesachiv Koblenz

[13] Geboren 1887, gestorben 1917. Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten verwendet, um die Jugend mit nationalistischen Idealen zu indoktrinieren.

[14] Ursprünglich im Jahre 1910 veröffentlicht.

[15] Der Titel muss fälschlicherweise kopiert worden sein, denn Flex scheint kein Buch mit diesem Titel veröffentlicht zu haben.

[16] ] Ursprünglich im Jahre 1916 unter dem Namen „Wallensteins Antlitz. Gesichter und Geschichten aus dem Dreißigjährigen Krieg“ veröffentlicht.

[17] Bundesarchiv Koblenz OMGUS RG 260 5/265-3/12.

[18] RG 260 5/269-1/7 Bundesarchiv Koblenz.