Die “White, Grey, and Black List” Amerikanische Medienkontrolle im Nachkriegsdeutschland 1944-1947

Hergestellt von Prof. Dr. Erwin J. Warkentin, Deutsch und Kommunikationswissenschaft, Memorial University of Newfoundland. Email:ejwarken@mun.ca


Hintergrund

Im Jahr 1944, mit den ersten amerikanischen Truppen auf deutschem Boden (Aachen, 21. Oktober 1944), begann die Psychological Warfare Division der Alliierten Expeditionsstreitkräfte, nach 12 Jahren NS-Herrschaft, mit der Neuausrichtung des deutschen Volkes. Unter späteren Namen wie "Information Control Division" und "Information Services Branch", kontrollierte und formte die ICD Deutschlands Medien- und Informationsdienste nach dem Krieg. In Kürze wird ein Band erscheinen, der die Geschichte und die Aktivitäten dieses oft übersehenen Zweigs der amerikanischen Besetzung Deutschlands beschreibt. „

The Histories" basiert auf den „offiziellen" jährlichen Zusammenfassungen der Aktivitäten der ICD, die in den Archivbeständen des National Archives and Records Administration, College Park, gefunden wurden. Obwohl es scheint, dass die ICD die feste Absicht hatte, diese irgendwann zu veröffentlichen, ist dies nie geschehen. Diese Dokumente bieten einen einzigartigen Einblick in das Tagesgeschäft der ICD und die Herausforderungen, mit denen sie bei der Wiederherstellung der Kulturwirtschaft in Deutschland konfrontiert wurde. Darüber hinaus wird klar umrissen, was die amerikanischen Besatzer bereit waren zu dulden, und was sie nicht in den neuen Medien in Deutschland tolerieren würden. Vor allem ist es eine Studie eines Versuchs, den demokratischen Gedanken in einer ganzen Nation durch autokratische Mittel herbeizuführen. (Den Volltext finden Sie, wenn Sie auf eins von folgenden Links klicken).

Zu guter Letzt, bietet die untenstehende Datenbank Zugriff auf die geheime „White, Grey, and Black List", die von der ICD zur Bestimmung derjeniger verwendet wurde, die erlaubt sein würden eine Rolle in Deutschlands Medien in der Nachkriegszeit zu spielen.

Die Verantwortung für die Sicherheitsüberprüfung der Bewerber wurde vom ICD in drei Bereiche unterteilt: Presse, Radio, sowie Film-Theater-Musik. Zu diesem Zeitpunkt enthält die Datenbank mehr als 12.000 Einträge. Wenn man die 1.857 Einträge der ersten November 1944 Liste, die von vorläufiger Natur war, und doppelte Einträge auf den verschiedenen Listen ausschließt, sind 7.797 einzelne Personen in diesen Listen enthalten.

Derzeit sind meine wissenschaftlichen Mitarbeiter und ich dabei die Oktober, Dezember 1945 und August 1946 Listen in die Datenbank aufzunehmen, was die Anzahl der eindeutigen Einträge auf rund 12.000 erhöhen wird. Einschließlich der Personen, die auf mehr als einer Liste auftauchen und der vorläufigen Schwarze Liste vom November 1944, gibt es etwa 17.800 Einträge. Insgesamt entspricht dies etwa 590.000 einzelnen Datenpunkten.

Die in dieser Datenbank enthaltenen Informationen erfassen einfache Angaben wie die Namen, Geburtsdaten, aktuellen Adressen, Geschlecht und Heimatstadt der Medienbewerber. Dies ist jedoch nicht alles. Sie vermerkt auch die Klassifizierung der Person (White [A oder B], Grey [Acceptable oder Unacceptable], Black). Für eine kurze Erklärung des verwendeten Systems, siehe Hinweis unten. Für eine ausführlichere Beschreibung und Analyse des Klassifizierungssystems, klicken Sie hier. Gelegentlich werden auch die Gründe für deren Klassifizierung oder ihr politischer Hintergrund vermerkt.

Beispiele

Von größerem Interesse sind vielleicht die Namen, die auf der Liste erscheinen. Hier ein paar der Beispiele:

Luise Rinser, die später zu einer viel geehrten Schriftstellerin in der Bundesrepublik Deutschland wurde, wurde auf die Schwarze Liste gesetzt, als jemand, dem unter keinen Umständen erlaubt sein sollte in den deutschen Medien zu arbeiten. In ihrem Eintrag ist vermerkt, dass sie ihren Ehenamen, Luise Hermann, als Pseudonym verwendete.

Wilhelm Furtwängler, der in der Schwarzen Liste von April 1946 auftaucht.

Friedrich G. und Ernst Jünger sind in der März 1947 Liste als „Black“ aufgeführt.

Emmy Sonnemann (Göring) erhielt eine „Black“ Kennzeichnung in der April 1946 Liste.

Die ursprünglichen Lizenznehmer der Frankfurter Rundschau, Emil Carlebach (WA), Hans Etzkorn (WA), Wilhelm Karl Gerst (GA), Otto Grossmann (WA), Wilhelm Knothe (WA), Paul Rodemann (WA) und Arno Rudert (WA), sind dort aufgelistet.

August Schwingenstein (WA), Edmund Goldschagg (WA), und Franz Josef Schöningh (WA) von der Süddeutschen Zeitung sind dort ebenfalls aufgeführt.

Die ursprünglichen drei Herausgeber der Stuttgarter Zeitung, sowie jemand, der immer als ein "inoffizieller Gründer" der Zeitung angesehen wurde, sind hier auch aufgeführt: Joseph Eberle (WA), Karl Ackermann (WA), Henry Bernhard (WA) und Helmut Cron (GA).

Es stehen sogar Amerikaner auf der Liste, wie, zum Beispiel, das Wunderkind an der Violine Guila Bustabo („Black“) aus Manitowoc, Wisconsin und Col[l]in Ross („Black“), eine amerikanische Radio-Persönlichkeit im deutschen Radio während der Besatzung.

Die Quellen

Um die ursprünglichen Quellen für die WGB-Listen-Datenbank einzusehen, klicken Sie auf eines der untenstehenden Daten:

Die Datenbank

Die folgende Datenbank bietet Zugriff auf die von der Information Control Division zusammengestellte 'White, Grey, and Black' Liste in Deutschland von April, Juni, November 1946 und März 1947. Die Listen für Oktober, Dezember 1945 und August 1946 werden derzeit bearbeitet.

Die Datenbank ist eine Zusammenführung von 'White, Grey, Black' Listen der ICD von April (3.481 Einträge), Juni (1.345 Einträge), November 1946 (2.528 Einträge), und März 1947 (2.199 Einträge). Die Gesamtzahl der Einträge beläuft sich auf 9.553. In dieser Datenbank wurden die doppelten Einträge entfernt, womit sich die Gesamtanzahl der Einträge auf 7.797 einzelne Personen reduziert. Beim Entfernen von doppelten Einträgen wurde die aktuellste Liste alsendgültige Eintragung berücksichtigt, frühere Einträge wurden gelöscht. Zusätzliche Angaben aus früheren Einträgen, die nicht im aktuellsten Eintrag vorhanden waren, wurden in den Kommentarabschnitt der Datenbank kopiert. Informationen aus anderen Listen: Oktober (ca. 1.200 Einträge), Dezember 1945 (ca. 800 Einträge) und August 1946 (ca. 4.500 Einträge), werden in Datenbankform hergestellt. Die insgesamt rund 5.780 Einträge werden wahrscheinlich weitere 4.000 eindeutige Einträge ergeben.

Denken Sie daran, dass die Datenbank englische Schreibweisen verwendet, es gibt daher keine Umlaute oder 'ß'. Die US-Armee hatte nur amerikanische Standard-Schreibmaschinen.

Sie können die Daten nach jeder der Spalten sortieren, indem Sie auf die Spaltenüberschrift klicken.

Sie können jede Spalte einzeln oder in Kombination mit jeder der anderen Spalten durchsuchen.

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Es gibt eine Reihe verschiedener Möglichkeiten die Suche durchzuführen, wie z.B. "wie", "ist", "ist nicht" und "enthält".

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Sie können auch auf die Ansicht-Funktion in der linken Spalte klicken, um die vollständigen Informationen der Einträge anzuzeigen.

Die Statistiken

Vorläufige Statistiken finden Sie hier. (vorläufig Englisch)
Statistiken und Grafiken zu Themen wie: das Durchschnittsalter des Bewerbers, männlich vs weibliche Bewerber, und vieles mehr finden Sie hier.

Die vorläufige 'Black List' von November 1944

Die Datenbank der vorläufigen Liste (zusammengestellt von der Psychological Warfare Division im November 1944), der an den Medien beteiligten und von den Alliierten gesuchten Deutschen, ist hier verfügbar.

Fußnoten: